3. Mai 2012

Runaway Bride/4


Glück ist meistens ein Zustand, den man erst dann zu beschreiben und zu erkennen vermag, wenn man ihn verloren hat.
                                                                          Giovanni di Lorenzo


Nachdem Katja gegangen war, ging Kat zurück auf die Terrasse.
Sie schnappte sich die Unterlagen, die sie ihr da gelassen hatte und stopfte sie, ohne ihnen vorerst Beachtung zu schenken in ihre Tasche.

Sie räumte die beiden Tassen weg und schnappte sich einen Stapel der English Hefte.
Sie setzte sich an den Gartentisch und machte sich ans Werk.

Mit Arbeit konnte sie sich schon immer am besten ablenken.

Vom Nachbargrundstück hörte sie Kindergelächter und das Wasser spritzen.
Die beiden Jungen benutzen anscheinend das erste Mal in diesem Jahr den Pool.

Im Hintergrund lief das Radio und es war eine angenehme Frühlingsstimmung.

Kat zückte ihren Rotstift und legte los.
Nachdem sie die Hälfte geschafft hatte, ging sie in die Küche und holte sich ein Glas Wasser.
Ein Blick auf ihr Handy verriet ihr, dass ihre Mutter bereits fünf Mal angerufen hatte.

Für weitere Gespräche über Hochzeitsvorbereitungen hatte sie jetzt keinen Nerv.
Also musste Diana noch ein wenig warten.
Was nicht gerade ihre Stärke war.

Kat setzte sich wieder an ihren Platz und stellte das Glas ab.
Eine ungeschickte Bewegung genügte.
Sie stieß mit dem Ellenbogen gegen das Glas und es kippte um.
Zu allem Überfluss lief das ganze Wasser auch noch über das aufgeschlagene Heft.

Sie fluchte wie ein Rohrspatz und versuchte zu retten, was zu retten war.
Dann lies sie sich in den Gartenstuhl fallen und schloss die Augen.

Bei den Nachbarn lief immer noch das Radio und nun ertönte erneut der Song ihres Sommers aus den Boxen.
Leise nahm sie die Melodie von `Nothing but love` wahr.

Sie schüttelte ungläubig den Kopf.
Jahrelang hatte sie den Song nicht mehr gehört und nun buddelten ihn sämtliche Radiomoderatoren aus.

Sie klappe den Stuhl nach hinten, legte ihre Füße auf den Tisch und schwelgte in Erinnerungen.

Sie hatten sich spontan in der Stadt ein Cabrio gemietet und fuhren einfach ziellos durch die Gegend.

Kat trug ein rotes kurzes Sommerkleid und hatte sich ihre schwarze Sonnenbrille in die Haare geschoben.
Sie stand an der Kasse einer Tankstelle und kaufte sich ein Eis, nachdem Jared den Wagen getankt hatte.

Sie musste über die Beifahrertür klettern, um in den Wagen zu gelangen, da die Tür klemmte.

Jared lachte über ihre Versuche elegant ins Auto zukommen und Kat fluchte, weil er keine Anstalten machte ihr zu Helfen.

Sie hatte die Hände voll und so gestaltete sich das Unterfangen weniger elegant.
Er stieg kurzer Hand aus, ging um den Wagen herum und hob sie über die Tür.

Kat funkelte ihn böse an.
„Es geschehen noch Zeichen und Wunder.“

Jared neben ihr lachte und drückte ihr einen Kuss auf die Wange.
„Du bist zu süß, wenn du dich aufregst.“

Kat funkelte ihn böse an, doch als er dann eine Grimasse schnitt, konnte sie nicht mehr sauer auf ihn sein.

Sie schüttelte nur schmunzelnd den Kopf und widmete sich ihrem Eis.
Nachdem sie losfuhren, schaltete sie das Radio ein.

Ihre langen Haare wehten im Wind, sie aß genüsslich ihr Eis und sang gelegentlich mit, was ihn grinsen ließ.

Kat war eine grauenvolle Sängerin.

Jared legte seine Hand auf ihren nackten Oberschenkel und Kat hielt ihm ihr Eis hin.

„Hier probier mal.“

Jared drehte den Kopf zu Seite und das Eis verteilte sich an Nase und Oberlippe.
Er hatte es nicht kommen sehen und nun klebte ihm das Vanille Eis im Gesicht.

Kat brach in Gelächter aus und beugte sich dann nach vorne.
Ohne Vorwarnung leckte sie ihm bei voller Fahrt das Eis ab und lachte.
Sie konnte ihn in allen unmöglichen Situationen um den Verstand bringen.

Er ging vom Gas und fuhr langsamer.
Zum Glück befanden sie sich auf einer Landstraße und es war außer ihnen weit und breit niemand unterwegs.

„Du bist verrückt.“, rief er ihr zu.

Sie grinste teuflisch, stellte `Nothing but love` lauter, drehte sie sich zu ihm und drückte ihre Lippen auf seine.

Kat lies nicht von ihm ab und bevor er von der Straße abkam, stoppte er den Wagen.
Sie kletterte auf seinen Schoß und er zog sie näher zu sich.
Langsam glitt seine Zunge in ihren Mund und tanzte um ihre.
Sie griff ihm in die Haare und verlor sich in ihrem Kuss.
Als sie sich atemlos voneinander lösten, lächelte er sie an und strich mit dem Daumen über ihre feuchte Unterlippe.

„Du bist verrückt!“

Kat lachte.

„Mindestens genauso wie du!“, war ihre Antwort.


Kat lag nun in ihrem Liegestuhl und hatte ein Lächeln auf den Lippen.
Sie fühlte die Schmetterlinge in ihrem Bauch, als hätte sie es gerade leibhaftig erlebt.

Die Letzten Töne des Songs erklangen und Steve wedelte mit seiner Hand vor Jareds Augen.

„Hallo? Jemand zu hause?“

Jared starrte Gedankenverloren aus dem Fenster des Tour Busses und rieb sich mit dem Zeigefinger abwesend über seine Lippen.

Ein wenig verwirrt sah er seinen Bruder an.
„Was ist?“

„Zehn Minuten bis zum Interview und dann Soundcheck. Wo bist du nur mit deinen Gedanken? Entweder du bist gar nicht richtig da oder mies gelaunt. Was ist bloß mit dir los? Und dreh endlich das Radio leiser.“

Jared seufzte und erhob sich wiederwillig.

Kat wurde aus ihren Tagträumereien gerissen, als es an der Tür klingelte.

Julie stand mit einem stahlenden lächeln vor ihr und redete munter drauf los.

„Mom hat mich angerufen.
Sie hat einen neuen Laden entdeckt. Die haben eine Abteilung mit Brautkleidern und nun schickt sie mich.
Sie meinte, dass du dort garantiert etwas findest.
Sie trifft sich mit ihren Freundinnen zum Sport und hat keine Zeit.
Sei froh, dass ich heute frei habe.
Sonst hätte sie dich spätestens morgen früh an den Haaren dorthin gezogen.
Also lass es uns einfach hinter uns bringen, bevor sie uns wieder in ihren Fängen hat.
Wer weiß, in was sie dich das nächste Mal steckt.“

Kat verdrehte die Augen.

Julie drehte sich um und grinste
„Warum hast du so rote Wangen? Hab ich dich und Ben etwa bei irgendwas gestört?“, ärgerte Julie ihre Schwester.

Kat sah sie verwirrt an.
„Ben ist gar nicht da.“

Julie warf ihre Jacke achtlos auf das Sofa und ging durchs Wohnzimmer, sie war ein wenig unaufmerksam und stolperte über die Box, die am Boden lag.

Der Inhalt verteilte sich nun direkt vor ihr.

Kat schloss mit einem leicht schmerzhaften Gesichtsausdruck die Augen. Nun gab es kein Zurück mehr.

Julie blickte sich entschuldigend nach Kat um.

„Tut mir leid. Ich bin so ein schussel.“

Sie ging in die Knie und wollte den verstreuten Inhalt wieder an seinen Platz legen.

Bei genauerem Betrachten warf sie Kat einen vielsagenden Blick zu.
Sie schob die alte Kamera beiseite und nahm sich eins der Fotos.

Kat stand immer noch bewegungslos hinter ihr und drückte ihre Hand an ihr Herz.

„Warum hast du bloß aufgehört?“

Kat seufzte.

„Ich…“

Julie schüttelte den Kopf.

„Du hattest so ein Talent.“, sagte sie als sie das Gewinner Foto der National Geografik in den Händen hielt.

Es zeigte einen See, in dem am besagten Sommer hunderte von Schwänen schwammen.
Niemand wusste, warum sie sich ausgerechnet dorthin verirrt hatten.
Aber das Foto hatte etwas Magisches und einzigartiges.

Ohne ihn hätte sie niemals an dem Wettbewerb teil genommen.
Er hatte ihre Fotos einfach heimlich abgeschickt und sie hatten sich daraufhin hin gestritten bis die Fetzen flogen.

Kat setzte sich im Schneidersitz neben ihre Schwester und betrachtete das Foto.

„Ich sollte es Rahmen.“, meinte sie leise.

Julie blickte ihr direkt in die Augen.

„Das solltest du tun und du solltest anfangen wieder zu fotografieren.“

Kat blickte aus dem Fenster.
„Ich weiß gar nicht, ob ich das noch kann.“

Julie schüttelte nur den Kopf.

„Wie kann man nur so stur sein? Du wirfst dein Talent weg für nichts. Noch ist es nicht zu spät. Probier es einfach. Wovor hast du Angst?

Julie hob die Kamera auf und reichte sie ihr.
Kat schüttelte den Kopf.

„Die funktioniert nicht mehr. Ich hab sie damals in meiner Wut gegen die Wand geschmissen. Das Innenleben ist kaputt.“

„Genau wie deins.“, antwortete Julie.

Kat blickte sie ein wenig geschockt an.

„Ist doch wahr. Du hast dich damals falsch entschieden.
Du bist den einfacheren Weg gegangen, nur weil du Angst hattest dich bei Mom durchzusetzen und dir Schuldgefühle eingeredet hast, weil sie um Dad getrauert hat und du verliebt warst.
Dafür hast du alles hin geworfen, was du jemals wolltest und nun kannst du nicht mehr zurück.
Weißt du was? Ich vermisse die verrückte lebenslustige Person die du damals warst.“
Du bist erwachsen Kat. Leb dein eigenes Leben.“

Kat war kurz davor in Tränen auszubrechen. Was war nur mit allen los?
Erst Katja und nun Julie.

Julie griff nach einem anderen Foto und lächelte leicht.

„Ich dachte wirklich, ihr würdet für immer zusammen bleiben.“

Das Bild zeigte Kat und Jared an einem Lagerfeuer.
Er hatte den Arm um sie gelegt und blickte sie verliebt an, während Kat seine Hand festhielt und glücklich ins Feuer sah.

„Es war doch nur ein Sommer. Eine harmlose Jugendliebe.“

„Hör auf dich selbst zu belügen.“

Julie lachte leicht.
„Ich weiß noch genau, wie hartnäckig er war. Du hast ihn aber auch ordentlich auflaufen lassen. Wie hatte er es eigentlich geschafft, dich doch noch auf ein Date zu überreden? Du hast mir das nie erzählt.“

Kat lächelte.

„Es war einer dieser heißen Tage. Ich bin ihm so gut wie es ging aus dem Weg gegangen und dachte ich wäre ihn endlich los.
Ich ging duschen und als ich wieder aus dem Bad kam, hörte ich komische Geräusche vom Fenster.
Ich dachte es wäre ein Waschbär und hab nachgesehen.

Er kletterte am Rosengitter die Hauswand hinauf und blieb grinsend an meinem Fenster hängen.
Ich hab ihn angesehen wie einen Geist und ihn beschimpft.
Er blieb Seelenruhig und lächelte mich nur unverschämt an.

„Gehst du jetzt endlich mit mir aus?“, fragte er.

„Nein, gehe ich nicht.“, war meine Antwort.

„Und dann haben wir diskutiert und irgendwann schrie Mom von unten, dass sie Mrs. Robinson besuchen geht.

Ich hab Panik bekommen.
Sie hätte ihn gesehen, wenn sie das Haus verlassen hätte.

Er fand das amüsant und als er sich dann ein Stück zur Seite bewegte, brach die Holzleiste auf der er stand ab und er hing plötzlich nur noch mit einem Arm am Haus.

Ich hab ihn nach oben gezogen und dann bin ich nach hinten gekippt und er landete mit seinem vollen Gewicht auf mir und grinste.
Ich wollte ihm eine verpassen, doch er hielt mir die Hände über dem Kopf fest und sah mich an.“

Kat lächelte bei der Erinnerung.

„Ich dachte er würde mich küssen. Stattdessen stand er einfach auf und ging. Bevor er zur Tür raus war, hab ich ja gesagt.“


Julie seufze.
„Das ist unglaublich romantisch.
Hatte ich dir eigentlich damals erzählt, dass ich auf seinen Bruder stand?“

Kat lachte.

„Nein?“

„Doch. Aber er meinte ich solle erst mal eine Frau werden. Nach dem Spruch fand ich ihn Scheiße.“

Kat lachte.

Als sie Geräusche an der Haustür hörte, packte sie in Windeseile die Sachen zurück in die Box und stellte sie in die hinterste Ecke des Schrankes.

„Das geht ihn nichts an.“, war ihr Kommentar als Julie sie fragend ansah.

Ben kam ins Wohnzimmer und begrüßte die beiden Frauen.
„Gibt’s was zu essen?“

Kat schüttelte den Kopf.
„Tut mir leid. Ich habe vergessen zu kochen. Ich hab gearbeitet.“

Ben setzte einen enttäuschten Blick auf und warf sich auf die Couch.
„Was macht die Arbeit, Julie?“

„Alles bestens.“

Sein genervter Gesichtsausdruck entging ihr nicht.

„Ich mach mich dann mal auf den Weg. Lass uns morgen wegen dem Kleid losgehen.
Ach und bevor ich es vergesse.
Nächste Woche ist Mädelsabend.
Vergiss das nicht!“

Kat lächelte leicht.
Ein Abend mit ihren Freundinnen war genau das was sie jetzt brauchte…

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Song zum Kapitel

Staind
Everything Changes

http://www.youtube.com/watch?v=Hz8_VSvsppg
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Kommentare

Julia hat gesagt…

Hey :) bin gerade aus Zufall über deinen Blog gestolpert und wollte dir sagen, dass du wirklich gut schreibst! Dein Stil ist toll! Liebe Grüße, Julia

summer hat gesagt…

hey julia,
vielen dank für deinen besuch auf meinem blog und das nette kompliment. ich freu mich sehr darüber!

lg
summer

Julia hat gesagt…

Ich bin bei Buchcovern wirklich sehr anfällig :) aber du hast recht, das Auge isst ja wirklich mit! Habe mir deinen Blog nochmal genauer angeschaut, würde gerne mehr von dir lesen, deswegen verfolge ich dich mal :) Hast einen tollen Blog <3

summer hat gesagt…

@julia; vielen dank für deinen netten kommentar. ich freu mich wenn dir mein blog gefällt ;-)

Fräulein Chaos hat gesagt…

Mehr mehr! Ich freue mich schon sehr auf das nächste Kapitel!

summer hat gesagt…

fräulein chaos; ich freu mich sehr, dass dir meine gescichte gefällt. danke für den netten kommentar.

lg
summer

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