13. April 2012

Runaway Bride / 1


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Erfahrung sammeln, heisst Fehler begehen.
(Herbert George Wells)

„Kat? Kathleen?“, rief Diana aufgeregt.
Doch Kat reagierte nicht.

Sie war mit ihren Gedanken gerade ganz wo anders und starrte teilnahmslos auf ihr Spiegelbild.

Diana, Kats Mutter tätschelte ihre Tochter die Wange und zeigte dann auf eines der Brautkleider.

Kat seufzte, drehte sich um und ging in die Umkleidekabine.
Sie probierte nun schon das siebte Kleid und Kat fühlte sich in keinem wohl.

Sie schälte sich aus den verschiedensten Lagen Spitze und Seide.
Während Diana ganz aufgeregt war konnte Kat sich plötzlich nicht mehr auf ihre Hochzeit freuen.

Sie wusste nicht warum sie sich so verhielt.
Hatte sie plötzlich kalte Füße bekommen?

Julie, ihre ein Jahr jüngere Schwester saß auf einem Stuhl neben der Umkleidekabine und trank den Champagner, den die Verkäuferin ihr gereicht hatte.

Wenn das so weiter ging, würde sie die Boutique für Brautmoden heute noch betrunken verlassen.
Julie grinste in sich hinein.
Das hatte es vielleicht auch noch nicht gegeben und sie war sich sicher, ihre Mutter wäre empört.

Als Kat nun zum achten Male aus der Umkleidekabine trat, riss es Julie fast von ihrem Stuhl.

Kats Gesichtsausdruck sprach Bände und Julie brach in Gelächter aus und rieb sich die lachtränen aus den Augen.
Von ihrer Mutter ernte sie tadelnde Blicke.

Kat musste inzwischen selber grinsen.
Julie stellte ihr Glas auf einen kleinen Tisch ab und umrundete ihre Schwester mit einem amüsierten Blick.
Dann wendete sie sich direkt an die Verkäuferin.

„Ist das Kleid original aus den 80igern?“

Diese schüttelte nur entschuldigend den Kopf.
„Nein, es gibt Bräute die mögen so etwas. Das ist von einem jungen Designer.“

Kat betrachtete sich im Spiegel.
Ihre zierliche Figur verschwand schon fast in dem Kleid, dass ausschließlich aus Rüschen zu bestehen schien.
Die Figur der Braut konnte man wirklich nur erahnen.

Kat schüttelte den Kopf und verschwand erneut in der Kabine.
Sie hörte Julie und ihre Mutter diskutieren und hoffte nur noch, der Tag würde endlich vergehen.

Die Gedanken von Urlaub kamen ihr in den Sinn.

Sie zog das Ungetüm von Kleid aus und hängte es so gut es ging auf den Bügel.
Die Verkäuferin nahm es ihr ab und Kat zog ihre blaue Jeans und ihr rotes eng anliegendes T-Shirt wieder an.
Ihren schwarzen Blazer warf sie sich über den Arm.
Sie schlüpfte schnell in ihre Schuhe und warf sich ihre Tasche über.

Dann trat sie aus der Kabine, packte Julie am Arm und eilte mit ihr Richtung Ausgang.

„Wie sehen uns später, Mom.“, rief sie ihr noch zu und die beiden verschwanden.

Diana war nicht erfreut darüber, dass sie einfach so verschwanden.
Ihre beiden Töchter machten ihr ständig einen Strich durch ihre Pläne.
Sie hasste es, wenn es nicht nach ihrer Nase ging.

Kat und Julie saßen nun in einem kleinen Cafe an der Alster und ließen sich die Sonne ins Gesicht scheinen.

Julie bestellte sich einen starken Kaffee.
Sie war tatsächlich ein wenig angeheitert und der Alkohol stieg ihr zu Kopf.
Kat löffelte an ihrem Latte Macchiato und schlug die die New York Times auf, die Diana ihr in die Tasche gesteckt hatte.

Bei den Heiratsanzeigen blieb sie hängen und zog scharf die Luft ein.
Julie musterte sie mit einem neugierigen Blick.

„Was ist los?“

„Sie hat die verdammte Heiratsanzeige sogar in die New York Times gesetzt ohne mich oder Ben überhaupt zu fragen!“

Kat kochte vor Wut. Ihr Gesicht färbte sich langsam rot und ihre grünen Augen glühten vor Zorn.

„Sie entscheidet einfach so über unsere Köpfe hinweg.“

Julie nahm einen Schluck von ihrem Kaffee.

„Du weißt doch wie sie ist.“

Kat schüttelte den Kopf.

„Weiß ich das? Eine stinknormal Anzeige in einem Hamburger Blatt hätte wohl nicht gereicht?“

Julie zuckte mit den Schultern.
„Wenn die Hälfte unserer Familie in den Staaten lebt, wohl nicht.“


Kat lehnte sie seufzend im Stuhl zurück und rieb sich die Schläfe.

„Was ist denn nun wirklich los mit dir?“, fragte Julie ohne Umschweife.

„Ich weiß es nicht!“, antwortete Kat fast schon verzweifelt.


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Kommentare

wordsandfeathers hat gesagt…

Ich freue mich sehr, dass du ein Template benutzt und auch dass du mich gerne weiter verfolgst. ;* Und noch mehr freue ich mich, dass dir mein Blog sowohl vom Schreibstil als auch vom Design gefällt.

Liebste Grüße, Jana.
wordsandfeathers

summer hat gesagt…

sehr gerne und danke fürs kommentar
lg
summer

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